Leitspruch "Er führt, ich gehe"

Mutter Maria Theresia Bonzels Leitspruch "Er führt, ich gehe"

Mutter Maria Theresia BonzelGFO Seit ihrer Kindheit fühlte Mutter Maria Theresia Bonzel ihre besondere Verbundenheit mit Gott. Daraus leitet sich ihr Leitsatz "Er (Gott) führt, ich gehe" ab, der für sie lebenslange Überzeugung und Richtschnur ihres Handelns war.

Schwester Mediatrix Nies OSF, die lange Zeit Generaloberin der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung zu Olpe war und heute Vorstandsvorsitzende der Maria Theresia Bonzel-Stiftung ist, hat mit viel Engagement und großer Beharrlichkeit den langwierigen Seligsprechungsprozess für ihre Ordensgründerin Mutter Maria Theresia Bonzel immer wieder vorangetrieben.

Schwester Mediatrix Nies OSF hat sich Gedanken zum Leitsatz von Mutter Maria Theresia Bonzel gemacht.


„Er führt, ich gehe“ - Gedanken zum Leitspruch von Mutter Maria Theresia Bonzel


Schwester Mediatrix Nies OSFGFO von Schwester Mediatrix Nies OSF


Vorstandsvorsitzende der Maria Theresia Bonzel-Stiftung und langjährige Generaloberin der Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung in Olpe  


ER führt …  

Das hat nichts zu tun mit passivem Abwarten oder der Unfähigkeit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Für Mutter Maria Theresia Bonzel war das vielmehr Ausdruck ihres unerschütterlichen Gottvertrauens – und auch Ausdruck ihres Bewusstseins, dass nichts im Leben geschieht, bei dem Gott nicht dabei ist und mitgeht. Mutter Maria Theresia übernahm Verantwortung für sich selbst, für ihre Gemeinschaft und für alle, die ihr anvertraut waren. Sie übernahm Verantwortung auch gegenüber und manchmal gegen politische und kirchliche Autoritäten, wenn Kompetenzen überschritten wurden und die Gemeinschaft geschützt oder verteidigt werden musste. Aber sie entschied nichts, ohne dass sie gerade die schwierigen Probleme vor Gott trug und im Gebet eine Antwort suchte und auf ihr Gewissen hörte. Aus diesem Vertrauen heraus war sie wirklich frei von menschlichen Ängsten, vertrat ihre Meinung und sagte oder tat, was sie als richtig erkannt hatte und wovon sie zutiefst überzeugt war.  

Das heißt doch: Ich gehe … weil sie sich geführt wusste von Gott!  


Dieses Vertrauen ließ sie all die Hindernisse überwinden – und davon gab es wirklich viele! Sie blieb nicht stehen und sie gab nicht auf. Sie ging den Weg, erfüllte das, was sie als ihren Auftrag erkannte. Aber sie suchte auch menschlichen Rat bei Sr. Franziska Schervier. So stark wie sie selber war: Wenn es galt, die Gemeinschaft zu schützen, so sehr war sie bereit, sich auch helfen zu lassen, anstatt aufzugeben und zu resignieren. Egal, ob es galt, sich zu wehren oder sich einzusetzen in den Kriegslazaretten oder während der Typhus-Epidemie. Oder wenn sie gerufen wurden in Familien, die sonst keine Hilfe hatten. Und das auch gegen die Vorstellung kirchlicher Autorität. Oder ob Todesfälle in der eigenen Gemeinschaft zu beklagen waren.  

Sie sah in allem „Gottes Wirken“ und war sich gewiss, dass ER auch helfen würde. Selbst, wenn es darum ging, dass Bauarbeiten nicht so voran gingen, wie sie es sich erhoffte, vertraute sie darauf, dass Gott schon helfen würde, dass sie den Winter trotzdem überstehen würden: „Man weiß ja nie, welche Pläne Gott für uns bereit hält“, schrieb sie, als eine Schwester das genannte Ungemach beklagte – und damit war es für sie erledigt. Wer von uns wäre heute zu einer solchen vertrauensvollen Gelassenheit bereit oder in der Lage?  

Und das hat nichts mit Fatalismus zu tun, denn gleichzeitig gibt es viele Beispiele für ihren Weitblick und das Wissen für die Verantwortung, die sie trug und ernst nahm und die sie manchmal auch über ihre sehr hohe Einstellung zur Armut stellte. Sie beauftragte die Mutter, die Erbschaftsangelegenheit zu regeln, weil sie damit nichts zu tun haben wollte. Aber als im Kulturkampf die Enteignung der Diözese drohte, ließ sie von Bischof Konrad Martin den Schenkungsvertrag auflösen, um für die Schwestern und Kinder sorgen zu können. Aus diesen Erfahrungen versucht sie später, die Gemeinschaft auch zivilrechtlich abzusichern und gründet die GmbH, in die alle Einrichtungen eingegliedert wurden.

Mutter Maria Theresia Bonzel: „Er führt, ich gehe“